Bericht der 2. Vorsitzenden des Kirchengemeinderats Dagmar Mammel

Pfarrer Alfred Kohnke – Abschiedsgottesdienst

Nach 26 Jahren Dienst bei der evangelischen Kirchengemeinde Roßwälden-Weiler wurde Pfarrer Alfred Kohnke am 04. Oktober 2020 im Rahmen eines Gottesdienstes in der Benediktskirche in Roßwälden in den Ruhestand verabschiedet.

Mit seiner Predigt über die Verse 2+3 aus Psalm 103 „Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat: der dir alle deine Sünde vergibt und heilet alle deine Gebrechen“ brachte er in dankbarer Weise zum Ausdruck, wie er und seine Familie bisher behütet und bewahrt wurden. Er zeigte an seinem eigenen Leben auf, wie Bibelverse oder auch Lieder einen Menschen ein Leben lang begleiten und stärken können.

Im Rahmen des Gottesdienstes sprach Dekan Hartmut Zweigle seinen Dank an Pfarrer Alfred Kohnke für insgesamt 40 Jahre im Pfarrdienst aus. Gekonnt recherchiert brachte Dekan Zweigle auch Meinungen von Gemeindegliedern dar. Ebenso dankte er Frau Elfriede Kohnke für ihr über 30-jähriges Engagement in Kirchengemeinde und Ehrenamt. Anschließend hat er Pfarrer Kohnke von seinem Dienst entpflichtet und ihm Gottes Segen erteilt.

 

 

Foto: Cornelia Unger

Nach dem Gottesdienst dankte Dagmar Mammel, die 2. Vorsitzende des Kirchengemeinderates, Pfarrer Kohnke für sein Wirken in der evang. Kirchengemeinde Roßwälden-Weiler. Sie brachte deutlich zum Ausdruck, dass er nicht nur seinen Dienst getan, sondern sich vielseitig eingebracht hatte. Pfarrer Kohnke war ein Gemeindepfarrer, der die Menschen mit ihren Bedürfnissen wahr- und ernstgenommen hat und mit dem Zeitgeist gehen konnte. Die Ökumene war ihm immer wichtig und so entwickelte er neue Gottesdienstformate, wie z.B. das ökumenische Abendgebet oder Kleinkind-Gottesdienste. Auch gelang es ihm ein Team zu gewinnen, um regelmäßige Veranstaltungen für Männer anzubieten, das Männervesper. Eine Aufgabe die Pfarrer Alfred Kohnke besonders am Herzen lag, war die Seelsorge und auch Notfallseelsorge. Dabei hat er sich nicht nur um die eigenen Gemeindeglieder gekümmert, sondern, ungeachtet der Religionszugehörigkeit, jedem seine Hilfe zukommen lassen, der sie benötigte.  

Da die Plätze in der Kirche, aufgrund der Corona-Verordnungen, sehr begrenzt waren, wurde der Gottesdienst in Bild und Wort ins Freie übertragen und konnte so von vielen weiteren Menschen, die Pfarrer Kohnke und seiner Familie verbunden sind, mitgefeiert werden. Der Kirchengemeinderat lud auf dem Kirchplatz zum Umtrunk ein, so dass bei wunderbarem Herbstwetter eine persönliche Verabschiedung von Pfarrer Alfred Kohnke und seiner Frau möglich war.

Abschiedsgottesdienst

in Roßwälden am 4.10.2020

Predigt: Pfarrer Alfred Kohnke

Liturgie: Dagmar Mammel und Alfred Kohnke

  • Musik

  • Eingangswort:

Wir feiern unseren Gottesdienst im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes Amen.


•    Ich habe allen Grund zu danken,
denn Sie alle sind heute gekommen, Ihr seid gekommen.
Die Rahmenbedingungen für Gottesdienste sind nicht einfach. Umso mehr freut es mich, dass Sie sich nicht haben abhalten lassen, mit mir nochmals Gottesdienst zu feiern und dabei zu sein, wenn Dekan Zweigle mich vom aktiven Pfarrdienst entpflichtet.
•    Ich habe allen Grund zu danken,
denn ich hatte über 39 Jahren einen Arbeitsplatz, der mich nicht nötigte, morgens um 7 auf der B 10 nach Stuttgart fahren zu müssen. So wurde mir viel Zeit geschenkt.
•    Ich habe allen Grund zu danken,
denn mir musste nie eine Reha oder Kur verschrieben werden.
•    Ich habe allen Grund zu danken, denn ich war zunächst als Vikar, dann als Pfarrer in Gemeinden, die offen und herzlich waren, Gemeinden in denen viele die Arbeit in der Kirchengemeinde mitgetragen und Anteil genommen haben, die auch ihre Wertschätzung für vieles, was ich gemacht habe, zum Ausdruck bringen konnten.

•    Ich habe allen Grund zu danken,
denn meine Frau und unsere Kinder haben mich mit meinem Beruf und mein Amt nicht nur ertragen, sondern auch gelebt und mitgestaltet.
Ja, ich habe allen Grund zu danken und nun bitte ich Sie und Euch, mit mir einzustimmen in das Lied Lobe den Herrn meine Seele
Alle vier Strophen
Ich bitte Sie beim Singen eine Maske zu tragen

Aus Psalm 103
Vergiss nicht, was Gott dir Gutes getan hat
Lobe den Herrn, meine Seele,
und was in mir ist, seinen heiligen Namen!
Lobe den Herrn, meine Seele,
und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat:
der dir alle deine Sünde vergibt
und heilet alle deine Gebrechen,
der dein Leben vom Verderben erlöst,
der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit,

Ehr sei dem Vater und dem Sohn …

Gebet Frau Mammel


Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet
Orgel und Gemeinde:
Meine Hoffnung und meine Freude


Schriftlesung Röm 15,1-7

Musikstück

Predigt
Was kann man nicht alles im Ruhestand tun, liebe Gemeinde!

Mein Ausbildungspfarrer hatte damals begonnen, die ganze Bibel von vorne bis hinten zu lesen. Kein Kapitel hat er ausgelassen.

Ehrlich gesagt, ich habe das nicht vor und ich habe auch kein schlechtes Gewissen, dies hier einzuräumen.

Es gibt Texte, die verstehe ich nicht, die sind mir suspekt.

Es gibt in der Bibel aber auch Texte, die mich ansprechen. Sie bringen in mir etwas zum Schwingen. Sie ermutigen. Sie eröffnen eine neue Sichtweise. Sie trösten.

Alle diese Texte und Geschichten der Bibel will ich nicht missen. Und ich bin zuversichtlich, dass im Laufe meines Ruhestands mir noch der eine oder andere Text wichtig wird, neu oder erneut Bedeutung gewinnt.

Liebe Gemeinde, es gibt Bibelworte oder biblische Geschichten, die uns anrühren, manchmal über Jahre, Jahrzehnte, ja vielleicht sogar schon von frühester Zeit an, ohne dass man sich dessen immer bewusst war.
Für mich ist Psalm 103 so ein Bibelwort.
Wir haben vorhin den Anfang von Psalm 103 im Wechsel gebetet. Und das erste Lied, das wir heute Morgen gesungen haben, ist eine Vertonung dieses Psalms.

Lange Zeit dachte ich, dass dieser Psalm erst zu Beginn meines Vikariats mir wichtig geworden wäre. Aber genaugenommen war er dies schon viel früher. Doch jetzt der Reihe nach.

Die Vermieterin meiner Vikarswohnung war schwer krank. Etwa 10 Wochen nach meinem Einzug musste sie ins Krankenhaus.

Wenige Tage vor ihrem Tod besuchte ich sie nochmals. Gezeichnet von der schweren Krankheit sagte sie mir: Ich bete immer wieder: „Lobe den Herrn meine Seele und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.“

Sie, die gerade 63 Jahre altgeworden war, schwer krank da lag, den Tod vor Augen, erzählte mir, mit welch großer Dankbarkeit sie auf ihr Leben zurückschaut, für wie viel Gutes in ihrem Leben sie zu danken hätte und wie zuversichtlich sie ihren weiteren Weg gehen kann. Sie wusste sich getragen und gehalten. Und konnte sagen und beten: „Lobe den Herrn meine Seele und vergiss nicht, was er Dir Gutes getan hat.“

In ihren Worten war nichts aufgesetzt, war nichts Frömmelndes, ihre Worte in einer solchen Situation haben mich zutiefst berührt. Im Innersten fragte ich mich: Wie kann diese kranke Frau so dankbar sein angesichts ihres Leidens.

Zwei Wochen später habe ich den Trauergottesdienst für sie gehalten. Mein erster Trauergottesdienst überhaupt.
Diese Frau ist mir in guter Erinnerung geblieben und mit ihr verbunden die Botschaft von Psalm 103.

„Lobe den HERRN, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen! 2 Lobe den HERRN, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.“

Natürlich, niemand kann jemand anderem verordnen, Gott zu loben.
Wir wissen alle, es gibt Situationen und Zeiten, in denen uns das Lob Gottes im Halse stecken bleibt.
Gründe gibt’s und kennen wir genug aus eigener Erfahrung. Ich brauche sie doch alle gar nicht aufzählen.

„Lobe den HERRN, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen! 2 Lobe den HERRN, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.“

Haben Sie s gemerkt? Psalm 103 beginnt nicht mit einer Verordnung. Er beginnt mit einem inneren Zwiegespräch.
Und so geht der erste Beter von Psalm 103 in sich und schaut sein Leben genauer an.
„Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat…!“
Ganz bewusst will er nicht auf das schauen, was sein Leben schwer und unerträglich macht, sondern auf das, was ihm in seinem Leben schon an Gutem begegnet und geschenkt worden ist.

Manche meinen, dass uns Menschen das Loben leichtfällt, wenn wir gesund und unbelastet sind,
wenn es uns an Leib und Seele gut geht.

Die Erfahrung zeigt uns leider anderes:
Wenn wir gesund sind,
wenn alles glatt läuft, dann nehmen wir das allzu oft als selbstverständlich hin.

Liebe Gemeinde,
wer sich immer wieder dankbar des Guten und Schönen in seinem Leben erinnert,  nimmt nicht nur das Gute und Schöne im Moment wahr, sondern erinnert sich auch in schweren Zeiten an das Schöne und Gute, das er oder sie erfahren durfte.
Dankbare Menschen erinnern sich wie sie immer wieder gehalten und getragen wurden.
Meine damalige Vermieterin war mir da geradezu zum Vorbild geworden.

Dankbarkeit kann zu einer Quelle neuer Kraft werden, wenn wir uns erinnern, wo wir schon Gutes erlebt haben -
Dankbarkeit kann zu einer Quelle neuer Kraft werden,
wo wir uns erinnern, dass uns immer wieder unverdientes Glück gewährt wurde.

Von solchen Momenten beglückender Erfahrungen können wir vielleicht, nein hoffentlich in schweren Zeiten zehren,
Ja, indem wir uns an das Gute unseres Lebens erinnern, ihm einen Platz in unserem Inneren – unserer Seele ‐ geben holen wir die Wirkkraft dieses Guten hinein in die Gegenwart und wir können erfahren,
dass wir in aller Kraftlosigkeit und Verzagtheit doch neu gestärkt und getröstet werden.

So kann unsere Seele, so können wir wieder freier atmen.
„Lobe den Herrn, meine Seele,
und was in mir ist, seinen heiligen Namen.
Lobe den Herrn, meine Seele,
und vergiss nicht,
was er dir Gutes getan hat…!“

Mir wurde Psalm 103, vor allem die erste Verse zum Lieblingspsalm.
Das habe ich versucht, auch meinen Konfirmanden und Schülern weiterzugeben, achtsam auf das Leben zu schauen, nicht alles selbstverständlich nehmen, sich erinnern, was sie an Gutem und Schönem in ihrem Leben erfahren haben und dies nicht zu vergessen, wenn es einmal schwer in ihrem Leben werden sollte. Die dankbare Erinnerung kann ihnen einen neuen Horizont eröffnen. Konfirmandinnen und Konfirmanden mussten diesen Psalm leeren, die Schülerinnen und Schüler sich mit ihm beschäftigen.
Und immer wieder legte ich diese Verse meinen Predigten in Trauergottesdiensten zu Grunde.

Als meine Mutter vor gut 4 ½ Jahren starb. Bat ich die Pfarrerin, über diesen Psalm zu predigen. Es kam die Frage auf, passt dieser Psalm überhaupt, konnte meine Mutter ihr Leben, das sicherlich durch mancherlei Ereignisse nicht immer einfach war , im Lichte von Psalm 103 verstehen?

Ich bat die Pfarrerin trotzdem, über diesen Psalm zu predigen, denn die Predigt ist doch für die Zuhörerinnen und Zuhörer. Sie sind es doch, die von diesem Psalm angesprochen werden können, sie sind es doch, die sich fragen und sich erinnern können. was Gott für sie Gutes getan hat? Und selbst in schwierigen Verhältnissen kann es immer wieder Gutes, viel Gutes geben, für das man einfach danken kann.

Lange Zeit dachte ich, dass Psalm 103 erst zu Beginn meines Vikariats für mich eine Bedeutung gewonnen hätte. Aber genaugenommen hatte er schon viel früher eine Bedeutung für mich, ohne dass es mir bewusst gewesen wäre:

Nach dem Tod meiner Mutter fand ich einen kleinen Zettel, auf dem stand: „Alfred getauft am 4.12.1955
Taufspruch: Lobe den Herrn meine Seele und vergiss nicht was er dir Gutes getan hat.“

Was kann man nicht alles im Ruhestand tun, liebe Gemeinde?

Ich wünsche mir, dass ich mich immer wieder erinnere an das Gute und Schöne, das ich im Leben erfahren durfte. Und das wünsche ich Ihnen auch, ganz egal, ob sie schon im Ruhestand sind oder bald oder erst in vielen Jahren kommen, dass Sie sich immer wieder an das Gute und Schöne in Ihrem Leben erinnern und nicht vergessen: Alles Leben ist letztlich von Gott geschenktes Leben.

So können wir ermutigt, gestärkt und getröstet unsere Lebenswege gehen, wohin sie auch führen mögen.
Amen

Lied : Ich sing Dir mein Lied


Fürbitten

Unser Gott,
Wir danken dir für das,
was du uns als Hilfe für unser Leben gesagt und gegeben hast,
und wir bitten dich um Klarheit,
wo wir noch nicht wissen, wie es weitergeht.

Gemeinsam rufen wir:
G:   Herr, erhöre uns.

Unser Gott,
Wir danken dir,
dass wir als deine Gemeinde zusammenkommen können,
und bitten dich,
dass du bei deiner Kirche bist
in den Problemen, die uns bedrängen,
dass du uns Mut zum Handeln gibst
Wir bitten:
G:   Herr, erhöre uns.

Unser Gott,
Wir danken dir für die Bewahrung unseres Lebens
und bitten dich,
dass du n den Konflikten in Staat und Gesellschaft
Wege zu tragbaren Lösungen zeigst.
Wir bitten:
G:   Herr, erhöre uns.
Unser Gott,
wir danken dir für unsere Familien, die Nachbarn, die Freunde und Freundinnen,
die du uns gegeben hast und bitten ihn,
dass du ihnen und uns hilfst,
miteinander im Guten zusammenzuleben.
Wir bitten:
G:   Herr, erhöre uns.
Herr, du hörst unseren Dank und unsere Bitte.
Wende deine Güte nicht von uns. Bleibe bei uns.

Vater unser im Himmel

Musik

Entpflichtung durch Dekan Zweigle


Lied  Du meine Seele singe , wohlauf und singe schön

Abkündigungen
Opfer ist für Aufgaben der eigenen Gemeinde

Nachdem ich heute meinen letzten Gottesdienst als Pfarrer von Roßwälden – Weiler gefeiert habe, folgen an den nächsten beiden Sonntagen meine allerletzten,
die Konfirmationen

Am nächsten Sonntag werden in Weiler konfirmiert:
Luis Fabian Alexy
Melina Frischauf
Joschua Metzger
Marco Uwe Sauter
Noel Maurice Schreiber

Am Sonntag 18.10 werden in Roßwälden konfirmiert:
Jonathan Bauer
Elia Joshua Breuning
Olivia Stella Gschwind
Alexander Kubina
Valerie Lutz
  Sarah Reichenecker

Wir bitten um Verständnis, dass – Corona -bedingt nur die Gäste der einzelnen Familien die Konfirmation mitfeiern können.

Nach dem Segen bitte ich Sie nochmals Platz zu nehmen . Es wird die Vorsitzende des Kirchengemeinderats Dagmar Mammel sprechen.


Wir bitten um Gottes Segen  
Bewahre uns Gott behüte uns Gott

Segen
Dreifaches Amen


 

 

Worte des Dankes der 2. Vorsitzenden des Kirchengemeinderats Dagmar Mammel

Lieber Herr Kohnke,         
heute an ihrem Abschieds-GD als Roßwälder-Weilermer Pfarrer möchten wir Ihnen danken, für all die Arbeit, die sie in den letzten 26 Jahren für unsere Kirchengemeinde geleistet haben.
Michael Reick hat mal nachgeschaut und festgestellt, dass sie einer der am längsten tätigen Pfarrer der letzten 500 Jahre in unserer Kirchengemeinde sind.
Wir danken ihnen, für ihr Wirken als Pfarrer, als Seelsorger, als Theologe und für ihr Engagement über die allgemeine Pfarrers-Tätigkeiten hinaus.
Sie haben oftmals mehr als 100% gegeben, nicht nur in den letzten Monaten, denn so manche Veranstaltung und Vorbereitungsrunde, wie z.B. das durch sie etablierte Männervesper, fiel auf ihren „dienstfreien Montag“.
Ein Pfarrer, der am Dorf- und Stadtleben teilnimmt, der gesellig sein kann, der die Menschen mit ihren Bedürfnissen wahrnimmt und den Zeitgeist spürt, der ist halt immer - auch ohne Beffchen und Talar - gern gesehen.
Wie hat Martin Luther vor 500 Jahren gesagt? „Zu einem guten Prediger, so wie ihn die Welt haben will, gehören 6 Dinge: Eine feine Aussprache; dass er gelehrt sei; dass er beredt sei; dass er eine schöne Person sei; dass er kein Geld nehme, sondern Geld zugebe; dass er rede was man gerne hört.“  Aber auch: „Ein Prediger soll Zähne im Maul haben (…) und jedermann die Wahrheit sagen.“
Ich denke, Martinus wäre zufrieden mit Ihnen.
Ich erinnere mich auch gerne daran, dass wir beide, anlässlich des Reformationsjubiläums und rokuku, als Martin und Katharina Luther, zur Veranstaltung „Bei Luthers in der Stube“ eingeladen hatten – da kamen ihr Witz und ihre humorige Seite zur Geltung.
Wichtig war ihnen aber immer, ihre Arbeit in der Notfallseelsorge, dadurch konnten sie vielen Menschen helfen große Nöte und Krisen zu überstehen. Auch in Roßwälden und Weiler haben sie einigen Familien – ungeachtet der Religionszugehörigkeit – durch ihre seelsorgerische Unterstützung Trost spenden können.
In ihrer 26-jährigen Dienstzeit hier bei uns, haben sie viele Gemeindeglieder, ja ganze Familien begleitet – wie heißt es: von der Wiege bis zur Bahre.  
Frau Knabe hat es recherchiert, 446 Taufen, 99 Trauungen und 351 Bestattungen haben sie in unserer Kirchengemeinde vollzogen. Dabei sind die Amtshandlungen durch Vertretungsdienste in Bünzwangen-Sulpach noch nicht mitgezählt.
Doch jede Zahl steht für einen Menschen und seine Angehörigen, die sie als Pfarrer, im Auftrag unseres Gottes, begleitet haben. Deshalb haben sie sich auch entschlossen die diesjährigen Konfirmandinnen und Konfirmanden noch zu konfirmieren.
Gerade in den letzten Monaten und Wochen vor ihrem Ruhestand haben sie sich noch besonders dafür eingesetzt, dass ein reibungsloser Übergang in die Vakante Zeit für uns als Kirchengemeinderat und als Kirchengemeinde geschehen kann.  
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Aber auch Sie, Frau Kohnke, haben sich vielseitig eingebracht und engagiert – darum wollen wir auch ihnen herzlich danken.
Und es freut mich, dass zwei ihrer Kinder heute dabei sein können, Mirjam und Michael herzlich willkommen – schön, dass ihr da seid – schließlich habt auch ihr eure Kindheit und Jugend in unserer Kirchengemeinde verbracht und seid hier im Pfarrhaus in Roßwälden über lange Jahre zu Hause gewesen.
Liebe Frau Kohnke, durch ihre Mitarbeit in vielen Kreisen unserer KG haben sie immer wieder neue Formate mit entwickelt, z.B. bei den Angeboten für Frauen oder beim interreligiösen Austausch.
Bei den durch sie, Hr. Kohnke, neu eingeführten GD-Formaten wie ökumenischen Abendgebet u Kleinkind-GD haben sie, Frau Kohnke, selbstverständlich mit vorbereitet und während der Gottesdienste mitgewirkt.  
Und vor ein paar Jahren haben sie sich gleich bei der neu gegründeten Arbeitsgruppe Soziales und in der Ebersbacher Flüchtlingshilfe engagiert.
Durch ihr vielseitiges Engagement auf kirchlicher und kommunaler Ebene, haben sie beide, unsere Ortschaften mit geprägt.
Sie haben miteinander als Pfarrersehepaar gewirkt – Sie Hr. Kohnke meist amtlich und Sie Frau Kohnke meist ehrenamtlich.
Drum wollten heute, ihnen zum Abschied und zu Ehren viele große und kleine Gemeindeglieder und auch viele Gäste + Wegbegleiter kommen, die sie aufgrund von Ökumene, Vereinsarbeit und Kommunaler Tätigkeit – kennen- und schätzen gelernt haben.
Viele hätten sich gerne mit Grußworten, Wortspielen oder Vorführungen in großem Rahmen von ihnen verabschieden wollen.
Aber dies ist eben nicht möglich. Um ihnen beiden aber dennoch Dank, Lob und gute Wünsche für die Zukunft und zum Abschied mitgeben zu können, haben wir gesammelt und ein eindrückliches Geschenk erstanden.


Das Buch der Bücher haben sie schon, Bilder von unseren Kirchen haben sie auch schon.
Doch dieses Erinnerungsstück ist eine Neuheit: kreativ – bunt – vielseitig – ansprechend – und persönlich.
--- BUCH zeigen ---
Für 26 Jahre im Dienst der Kirchengemeinde und auf kommunaler Ebene sind 50 Beiträge für sie beide zusammengekommen, die in diesem Buch gebunden sind.
Von A wie Apis oder Arbeitskreis, über Kinderkirche- und Kindergruppen, über Frauen- und Männergruppen bis hin zu O wie Ökumene oder Ortschaftsrat, und den Vereinen – alle haben sich beteiligt - und wenn´s geklappt hat, bis heute geschwiegen.
Wir alle, KGR+Gemeinde, wünschen ihnen viel Vergnügen, beim Lesen und Erinnern – und wenn die Sehnsucht sie überkommt … sie wissen ja, Roßwälden und Weiler sind nicht weit

Dank und gute Wünsche von Pfarrer Alfred Kohnke

26 Jahre war ich Pfarrer in Roßwälden - Weiler. Eine lange Zeit. Es ist nicht üblich, dass ein Pfarrer so lange auf einer Stelle bleibt.

Ehrlich gesagt, ich hatte nie das Bedürfnis verspürt, eine neue Anforderung annehmen zu müssen. Ich hatte den Eindruck, hier bin ich, sind wir am richtigen Platz. Viele wissen meine Arbeit zu schätzen, viele versuchen wie ich, als Christen in der Welt zu leben. So habe ich mich nie um eine andere Stelle beworben.

Im Übrigen: Es gibt Schlimmeres, was ein Pfarrer tun kann, als dass er 26 Jahre Pfarrer in einer Gemeinde bleibt.

26 Jahre - eine lange Zeit. Eine Zeit mit vielen Begegnungen mit ganz verschiedenen Menschen. Mit vielen bin ich ein weiteres Stück des Weges gegangen, mit anderen ein kürzeres, in Freud und Leid und mit manchen auch in beidem. Es gab Schönes und Großartiges, aber auch Tragisches und Schweres in diesen Jahren, das wir miteinander erlebt haben.

Mit den Kirchengemeinderäten und anderen Menschen haben wir viel geplant und angepackt, vieles ist gelungen. Ich merke aber auch: So manches , was uns gestern umgetrieben hat, ist heute schon Schnee von gestern.

Ich weiß, dass ich manchen etwas schuldig geblieben bin, die bitte ich um Entschuldigung und vertraue zugleich auf die Zusage der Rechtfertigung der Sünder. Das entlastet.

Ich weiß auch, dass ich nicht alle gleichermaßen ansprechen konnte - damit muss und kann ich leben.

Die Zeit in Roßwälden - Weiler war nicht nur für mich ein wichtiger Abschnitt in meinem Leben, sondern natürlich auch für meine Frau, die sich ja in den verschiedensten Bereichen eingebracht hat und für unsere vier Kinder, die hier Freunde gefunden haben und von hieraus in die Welt hinausgezogen sind.

Was uns bleibt ist, dass mir und meiner Frau von sehr vielen Menschen großes Vertrauen entgegengebracht und uns mit großer Offenheit begegnet wurde, auch dass Menschen an unserem Ergehen Anteil genommen haben. Das hat dazu beigetragen, dass wir uns hier einfach wohlgefühlt haben.

Was bleibt ist aber auch der Eindruck, dass immer Menschen mit ihren unterschiedlichen Gaben und Ideen sich in unserer Kirchengemeinde eingebracht und mitgearbeitet haben.

Allen, die sich in den langen 26 Jahren mit auf den Weg gemacht haben, Schritte glaub-würdigen Lebens zu wagen, möchtee ich von Herzen danken.

Danken möchte ich allen ehren-, neben- und hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, auch den ehemaligen.

Besonders danke ich allen, die heute zum Gelingen des Gottesdienstes und des anschließenden Stehempfangs unterCorona-Bedingungen das Ihre getan haben.

Danken möcjhe ich allen außerhalb der Kirchengemeinde, sei es hier in Roßwälden oder Weiler, sei es in Ebersbach oder Göppingen oder im Kirchenbezirk, mit denen ich in diesen 26 Jahren zusammenarbeitete, die mich unterstützt und beraten haben.

Wenn am Dienstag der Möbelwagen Richtung Hochdorf startet,nehmen wir nicht nur einen Lastwagen mit Möbeln und 100 Unzugskartons mit, sondern auch den Eindruck, dass es einfach eine gute Zeit war - hier in Roßwälden und Weiler. Vielen Dank!

Bleiben Sie behütet!