Benediktskirche Roßwälden

Evang. Benediktskirche Roßwälden

Anschrift: Dorfstr.25, 73061 Ebersbach- Roßwälden

 

13. Jhd. (2.Hälfte) Kapelle, durch Grabung nachgewiesen

 

1275 erste urkundliche Nennung; Patrozinium: St. Benedikt von Nursia

 

14. Jhd Schaffung der Kirche durch Verlängerung der Kapelle nach Westen und Errichtung der unteren Geschosse des Turmes

 

15. Jhd. (2.Hälfte) Verbreiterung auf die heutigen Maße

 

1467 Guss der älteren der beiden Glocken

1726 Neubau der Kirche auf den alten Grundmauern und Erhöhung des Turmes durch Baumeister Hipp von Herrenberg

 

1980 Neubau der Sakristei, Teilabbau der Emporen und Entfernung der äußeren Emporentreppe, Einbau der drei neuen Chorfenster mit figürlichen Glasbildern von Adolf Valentin Saile aus Stuttgart

Ganz oben im Fenster: Die Überschrift, das Sigel für Gott, das Dreieck mit dem Auge. Von dort ist das Bild zu lesen, von oben nach unten.
Hier erscheint zum ersten Male im Gesamtzyklus die goldene Linie. Sie umfasst einen Kreis, in dem sich Gottes Heilswirken besonders darstellt. Hier ist es die Schöpfung, von der es 1.Mose 1, 31 heißt: ... Die Schöpfungswerke Gottes erscheinen in buntem Glanz: Das Licht, Himmel und Erde, Land und Meer; Pflanzen, die sprossen, blühen und Früchte bringen; Tiere zu Wasser, in den Lüften und auf der Erde zeugen vom Leben, das die Schöpfung ausmacht. Und als Letztes: der Mensch, Mann und Frau. Im Hintergrund findet sich das alte Bild vom Lebensbaum, der in der Mitte des Fensters verborgen bleibt, aber im unteren Bild mit seinen Wurzeln und dem besonderen Spross der Wurzel Jesse (Jes.11, 1 u. 10) Leben für die Zukunft verheißt. Auf den Seiten des Hauptbildes, das die Mitte des Fensters durchzieht, entspringen diesem Lebensbaum Blütentriebe. Gottes Schöpfung. entfaltet stets neues Leben.
Der goldene Kreis wird durchbrochen. Der Mensch verlässt ihn, indem er eigenmächtig zur Paradiesesfrucht (im Maul der Schlange) greift. Er emanzipiert sich und muss die Folgen tragen, außerhalb des geschützten Raums. Aber Gott gibt ihn nicht auf. Er beruft ein Volk, mit dem er einen Bund schließt. Nun ist – im mittleren Bild - die goldene Linie wieder da. Durch Mose lässt er seine Gebote ausrichten. Die Gesetzestafeln - übrigens nach der biblischen (und reformierten) Zählung dargestellt – werden dem Volk vorgelegt. Die Propheten verkündigen darüber hinaus die aktuelle Gottesbotschaft. Gezeigt werden sieben der Schriftpropheten (Jesaja, Jeremia, Hesekiel, Daniel, Micha, Nahum, Maleachi), dazu der königliche Sänger „und Prophet“ David.

Auch das untere Bild ist von der goldenen Linie umschlossen, als dem Raum für ein besonderes Handeln Gottes. Was in den ersten Bildern angefangen hat, kommt hier zu einem ersten Ziel. Gott selbst wird Mensch, geboren von einer Frau. Gottes Handeln wird durch den Lichtstrahl des Geistes (Taube) ausgedrückt, der alle Grenzen durchdringt. Die Engel jubilieren. Ja, die Rosen blühen in üppiger Fülle. Den Hirten und (Lk. 2, 10 f.) wird verkündigt: Aber es ist ein merkwürdiges Bild: Maria ist bereits losgelöst von dem Kind. Es ist ihrem Schoß entnommen. Sie deutet auf den Sohn, mit traurigem Gesicht. Das Kind gehört eigentlich nicht mehr in die Szene: Es liegt in einem Schrein, innen goldstrahlend, nach außen verschlossen. Ist es ein Sarg? (Joh. 1, 11).

Verbindung der Familie des Mathematikers und Astronomen Johannes Kepler zu Roßwälden

Der Stammtisch Heimatkunde Roßwälden hat im Oktober 2011 zur Erinnerung an die Verbindung

Am 16. Oktober 1608 heiratete der Roßwälder Pfarrerssohn Georg Binder Margarete Kepler, die Schwester des Mathematikers und Astronomen Johannes Kepler.

 

Georg Binder, der wie sein Vater ebenfalls Theologie studiert hatte, war zu der Zeit (1607-1608) Präzeptor in Leonberg und von 1608-1609 in Dornstetten bei Freudenstadt. Von dort kam er auf seine erste Pfarrstelle nach Heumaden. Während dieser Zeit (ca. 1615) wurde seine Schwiegermutter Katharina Kepler in Leonberg der Hexerei beschuldigt. Als die Anschuldigungen immer heftiger wurden, nahm Margarete Binder ihre Mutter im Pfarrhaus in Heumaden auf (1617). Dort wurde Katharina Kepler am 7. August 1620 verhaftet und zunächst in Leonberg und dann in Güglingen unter schlechtesten Bedingungen eingesperrt.

 

Kurz danach, im Herbst 1620, zogen die Binders nach Roßwälden, wo Georg Binder die Pfarrstelle seines verstorbenen Vaters übernahm.

Ein Jahr später, am 4. Oktober 1621, wurde Katharina Kepler freigesprochen und am 7. Oktober entlassen. Auch jetzt nahm Margarete Binder wieder ihre alte und kranke Mutter im Pfarrhaus auf, dieses Mal in Roßwälden. Hier starb sie ein halbes Jahr später am 13. April 1622 im 75. Lebensjahr.

Sicherlich wurde sie auch auf dem Roßwälder Friedhof bei der Evangelischen Kirche begraben.

 

Im Herbst 1620 kam Johannes Kepler von Linz, wo er  Mathematiker am Hof Kaiser Rudolfs II. war, nach Württemberg, um seiner Mutter beizustehen und ihre Verteidigung zu betreiben. Er war während dieser Zeit sicher auch des Öfteren bei seiner Schwester Margarete in Roßwälden.

 

Es ist auch berichtet, dass Johannes Kepler noch nach dem Tod der Mutter in den Jahren 1624/25 nach Roßwälden kam. Von Keplers letztem bekanntem Aufenthalt im Herzogtum Württemberg wird berichtet, dass er bei seiner Schwester in Roßwälden Station machte, um von dort aus im Göppinger Sauerbrunnen Heilung von einem Hautausschlag zu suchen.

 

Außerdem ist in einem Brief Keplers zu lesen, dass sein Sohn Ludwig am 3. und 4. März 1627 seine Tante in Roßwälden besucht hat.

 

Georg und Margarethe Binder waren noch bis 1634 auf der Pfarrstelle in Roßwälden. Am 4.11.1634 starb Georg Binder, nachdem er einige Tage zuvor von Soldaten überfallen und erbärmlich traktiert worden war.

 

Margarete Binder heiratete in zweiter Ehe den Pfarrer Conrad Maikler in Fellbach.

                                                                                          Walter Zwicker

Tafel der Keplerstele Roßwälden