kurz vor dem Start

Roßwälder Männervesper plus

Pilgerwanderung vom  Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang

 

Ganz unterschiedlich waren die Gefühle der fast 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Alter von 19 bis 75 Jahren vor der gemeinsamen Abfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln über Schlierbach, Göppingen nach Hohenstaufen:

Motiviert und frohgestimmt, sich mal auf etwas Besonderes einzulassen, was man so noch nie erlebt hat; vergnügt, dass man ganz unerwartet bekannte Menschen sieht, die sich auch auf die Pilgerwanderung aufmachen; leicht nervös und unsicher, ob man auch wirklich die Strecke von etwa 30 Kilometern ohne Schlaf und fast ohne Tageslicht schafft,  aber auch mutig, sich dieser Herausforderung zu stellen, neugierig, was man so alles auf diesem Weg erleben wird und vielleicht waren die Organisatoren Klaus Herrmann, Fred Unger und Pfarrer Alfred Kohnke auch ein bisschen angespannt, ob alles gut klappen wird.

Die erste kleine, aber steile Strecke führte von der Jugendherberge Hohenstaufen hinauf auf den Hohenstaufen. Bei herrlichem Rundumblick galt es, sich allmählich von der langsam untergehenden Sonne zu verabschieden, während gleichzeitig der noch etwas blasse volle Mond immer mehr sein Gesicht zeigte. Nach einem geistlichen Impuls von Pfarrer Kohnke brach die Gruppe auf zur ersten Station, der Jakobuskirche Krummwälden. Die weiteren Stationen waren die Reuschkirche Göppingen (als Ersatz für die zur Zeit wegen Renovierung geschlossenen Oberhofenkirche)und die Stiftskirche Faurndau, danach ging es über Schloss Filseck und den Charlottensee nach Albershausen und dann über inzwischen wieder vertrautere Wege bei wolkenverhangenem Morgengrauen über die Linden nach Roßwälden hinunter, wo am Ortseingang unter der Brücke der Pilgerpass mit einem letzten, mit der Roßwälder Kirche verzierten Pilgerstempel ergänzt werden konnte.

 

So unterschiedlich die Gefühle am Anfang waren, so gemischt waren die Erfahrungen, Eindrücke und das Befinden am Ende dieser Pilgernacht:

Hoch befriedigt, die Strecke zusammen mit allen anderen geschafft zu haben! Manche mit Leichtigkeit, andere angestrengt und eher am Ende ihrer Kraftreserven oder beeinträchtigt durch schmerzende Füße.

Aber für alle gab es in dieser Nacht immer wieder glückliche Momente: Der strahlende Vollmond, der die Pilgerinnen und Pilger über viele Stunden begleitete und selbst den dunkelsten Wald heimelig machte, mittendrin um Mitternacht ein Geburtstagsständchen der besonderen Art mit Wunderkerzen und Mundharmonika, das in der Ferne zärtlich einstimmende Käuzchen, gute Gespräche mit anderen, aber auch immer wieder alleine, geborgen in der Gruppe, vor sich hinwandern. Zwischendurch die Rast in den drei Kirchen mit ihren je eigenen Schätzen, ganz überraschend und berührend der musikalische Gruß durch den Gospelchor „Joyful voices“ unter Leitung von Gerald Buß in der Reuschkirche morgens um halb eins, in den Kirchen auch die liebevoll hergerichtete Verköstigung zu allen Nachtzeiten und die spirituellen Stärkung und der geistige Zuspruch für den immer wieder neuen Aufbruch zur nächsten Wegstrecke, verinnerlicht im gemeinsamen Lied „Gib mir deine Hand, Wandrer durch die Zeiten, lass mich dich begleiten“, und gegen Morgen dann ganz bewusst erfahren, dass nach einer dunklen, stillen Nacht wieder ein heller Tag beginnt, den die Vögel als erste lebendig machen. Und am Ende der Pilgernacht dann um 6 Uhr glücklich am gedeckten Frühstückstisch im Roßwälder Gemeindehaus ankommen und zufrieden seine Füße ausstrecken können. E.K.