Bereits zum dritten Mal lud das Team des Roßwälder Männervespers zum Pilgern von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang auf dem Jakobsweg ein, dieses Mal von Frickenhausen über Reudern, Ötlingen, Notzingen nach Roßwälden - bei Vollmond und in einer ganz und gar verregneten Nacht.

Klaus Herrmann lässt sich durch den Regen nicht die Laune vermiesen

Und wenn sich in einer solchen Nacht, wo nicht nur alle Katzen, sondern auch die buntesten Regenschirme und Regenmäntel und der Himmel grau sind- wenn mitten in solch einer Nacht sich plötzlich der Mond für einen kurzen Moment in seiner vollen Größe zeigt, als wolle er die Pilger doch wenigsten geschwind grüßen, ist das für alle  ein erhebendes Gefühl. Ja, „so sind wohl manche Sachen, die wir getrost belachen und sind doch rund und schön“.
Das gemeinsame Unterwegssein war wieder eine runde, schöne Sache. Keiner der 42 Pilgerinnen und Pilger im Alter von 10 bis 76 Jahren ließ sich von dem angekündigten Wetterumschwung und den schwarzen Wolken verdrießen und sich seine Stimmung verdüstern. Stattdessen ließen sie gemäß der Empfehlung von Pfarrer Alfred Kohnke die Sonne bzw. den wunderschönen  Mond wie in den vorausgegangenen Tagen in sich scheinen.

Rast in der Friedenskirche Reudern

Wohl denen, die auch unter solchen Umständen etwas Positives einer Nachtwanderung abgewinnen können: Es sind die guten Gespräche während einer solchen Nacht, aber auch das Schweigen und die Seele baumeln lassen unter dem beruhigenden Klang der herabfallenden Regentropfen und dem Dahinplätschern der Rinnsäle und Bächlein. Es sind die verschiedenen Kirchen, die einer trockenen Pilgerrast mit Stärkung für das leibliche Wohl, aber auch mit geistlichen Impulsen von Pfarrer Kohnke für den weiteren Wegabschnitt und einem  gemeinsam gesungenen Lied dienen.

Hl. Jakob in der Kirche zu unserer lieben Frau Frickenhausen

Nebenbei kann man dabei auch wunderbare Schätze in den Kirchen und ganz unterschiedliche Stilrichtungen der Gotteshäuser entdecken.

Unter der Eisenbahnbrücke von Vertretern des Ortsschaftsrates Ötlingen empfangen - nachts um 0.30 Uhr

Dann sind es aber auch die Überraschungen am Wege, sei es ein im Licht der Taschenlampe entdeckter, Regenwetter liebender, wunderschöner Feuersalamander- wahrscheinlich war Lurchi persönlich aus dem Bilderbuch entschlüpft oder die überraschende Bewirtung mit Käsfüßen, Brezeln und Getränken unter einer Brücke durch den Ötlinger Ortschaftsrat nachts um 1 Uhr.

Wenigstens ein Weilchen kein Regen: Vater und Tochter unter der Brück'

Recht fidel sind die beiden Jüngsten nach 28 km am Ziel angekommen!

Noch eines kann man feststellen: Bei Regen läuft es sich noch schneller, vor allem auch durch die sichere Wanderführung von Klaus Herrmann, Fred Unger und Werner Köhler, sodass die Pilger den Sonnenaufgang erst nach einem wunderbaren Frühstück im warmen Roßwälder Gemeindehaus auf dem Nachhauseweg erlebt haben, stolz auf ihre zurückgelegte ca. 28 km lange Pilgerstrecke und um die Erfahrung reicher, dass Pilgern bei jedem Wetter ein besonderes Erlebnis sein kann.
E.K.