Männervesper mit Andreas Malessa

Männer unter sich

 

Beim 68. Roßwälder Männervesper waren sich  die zahlreichen Teilnehmer einig, dass es wieder einmal gut sei, über sich selbst nachzudenken: Wer bin ich, welche Rolle spiele ich und bin ich damit zufrieden? Andreas Malessa, erfahrener Theologe und bekannter Journalist, wartete in seinem Impulsreferat mit Zahlen und Fakten auf, locker und unterhaltsam verpackt. So baute er ganz nebenbei mit Humor und Witz den einen oder anderen heimlichen Vorbehalt seiner Zuhörer ab, denn wer über sich lachen kann, ist auch bereit, die kritische Brille auszusetzen.  Hat John Wayne, der alte Haudegen,  als Vorbild ausgedient? Erobert heute nicht eher der smarte Jan Josef Liefers oder  der (scheinbar)hilflose Woody  Allen die Herzen der Frauen bzw. verleitet sie dazu, ihrem Beschützerinstinkt Raum zu geben? Die moderne Arbeitswelt verlangt nur noch selten das männliche Muskelpaket und den patriarchalischen Dickschädel; mit Teamfähigkeit  und anderen sozialen Kompetenzen  bewältigt „Mann“ viele Aufgaben, die uns eine veränderte Arbeitswelt stellt. Eine Männerbastion nach der anderen fällt, gut ausgebildete, selbstbewusste und erfolgsorientierte Frauen verlangen ihre Rechte und Chancen und sind dabei erfolgreich – und das ist gut so und darf nicht als Bedrohung diffamiert werden. Malessa, der Theologe, malte mit der biblischen Geschichte des jüdischen Königs David recht anschaulich das Bild eines ungewöhnlichen, bemerkenswerten Männertyps. Mit Köpfchen, nicht  mit brachialer Gewalt gewinnt der Hirte den Zweikampf gegen den Riesen Goliath. Nach dem Sieg seines Volkes gegen die Amalekiter kann er, ganz unmilitärisch, seinen Gefühlen freien Lauf lassen: Zum Entsetzen aller ordentlichen Leute tanzt  er als König (und Mann!) vor Freude in aller Öffentlichkeit!  Als er wegen eines ziemlich schäbigen Ehebruchs und eines daraus resultierenden Mordes  zur Rede gestellt wird, redet er sich nicht heraus, sondern hat die Kraft zu Selbsterkenntnis, Reue und Buße. Damit regte Malessa seine Zuhörer an, sich selbst zu prüfen, indem er ihnen drei Fragen stellte:

1.      Wann habe ich mich das letzte Mal wirklich als Mann gefühlt?

2.      Wann habe ich was wirklich nur aus Liebe getan?

3.      Ist es mutig oder feige, eine Ehe wirklich durchzuhalten?

In der anschließenden offenen Diskussion griffen die Männer vier Aspekte auf. Zum einen wurde darauf verwiesen, dass in wissenschaftlichen Untersuchen kein Zweifel daran gelassen wird: Viele Verhaltensmuster von Männern und Frauen sind schon in der Frühgeschichte der Menschheit  dem Erbgut bis heute unlöschbar  eingeschrieben worden; der große Brustumfang einer Frau verspricht z.B. nun mal, dass sie den Nachwuchs optimal versorgen kann, und das muss (lustvoll prüfend!) in Augenschein genommen werden! Viel Heuchelei und Schielen nach einträglichen Einschaltquoten stecken hinter mancher medial inszenierter Aufregung über unkorrektes Männerverhalten; dabei wurde nicht unterschlagen, dass sich  Männer auch im Umkreis der Teilnehmer nach wie vor ungestraft gegenüber Frauen aufs Übelste danebenbenehmen können, man dürfe - so die einhellige Meinung – deshalb aber nicht ins absurde Gegenteil verfallen und hyperkorrekt, überängstlich, geradezu „aseptisch“  die Begegnung der Geschlechter reglementieren, was nicht einzupferchen ist. Auf der anderen Seite wurde aber auch angeprangert, dass sich heute auch Frauen mehr und mehr  unwidersprochen abfällig über Männer verbreiten: der Mann als hirnloses Wesen, das immer nur das eine wolle...  Hier war es ganz gut, das die Männer unter sich waren – so eingeschüchtert ist mancher Mann schon...  Abschließend tauschten  sich die Väter darüber aus, wie sie als männliche Vorbilder, Gegner und Partner zugleich,  ihre pubertierenden Kinder über die schwierige Zeit des Erwachsenwerdens begleiten können.  Der Abend bewies einmal wieder, dass Männer sehr wohl zur Selbsterkenntnis  und Verhaltensänderung  fähig und willens sind.  Deshalb war es dann doch eigentlich schade, dass keine Frauen dabei waren, aber dann wäre das Ganze wohl ziemlich anders verlaufen. Fazit: Gut, dass es ein Roßwälder Männervesper gibt. Für neugierig gewordene Frauen und nachdenkliche  Männer hier noch ein Informationstipp: Andreas Malessa und Ulrich Giesekus: Männer sind einfach. Brunnen-Verlag Gießen 2007                            Ulrich Kernen