Kammerkonzert Trio con piacere

Seit über zwei Jahrzehnten spielt das "Trio con piacere" (zu deutsch: mit Vergnügen) Bärbel Reich-Staib, Flöten, Brigitte Schroth, Cembalo und Ulrich Kernen, Querflöte  jedes Jahr mit großem Vergnügen in der Benediktskirche Roßwälden.  Das Programm titelten sie „Alles, was Lust macht ...“.  Ulrich Kernen führte kundig und mit Laune durch das Programm, auf dem Werke von Händel, Bach, Telemann und andere standen.

Zur Zeit Händels hatte der Urtext der Komposition keine besonderen Zeichen, die Künstler hatten die Freiheit Tempo und Verzierungen selber zu bestimmen, auch waren die Flöten tiefer gestimmt. Trotzdem gelang es den Musizierenden von Anfang an, Barockstimmung in den Kirchenraum zu zaubern. Die langsamen Sätze gelangen ausgesprochen homogen, sehr präzise waren die Läufe in den rascheren Sätzen mit schönem Wechsel von Staccato und Legato-Passagen. Flotte Tempi mit reicher Dynamik rundeten den ersten Programmpunkt ab. Von Anfang an zeigte das Ensemble eine sehr aufeinander bezogene und fein abgestimmte Spielweise.

Das zweite Musikstück war das Konzert a-moll für Flöte und Cembalo von Johann Sebastian Bach. Ursprünglich in f-moll, spielten Ulrich Kernen und Brigitte Schroth am Cembalo das Stück in einer Bearbeitung in a-moll. Das war im Barock eine übliche Praxis, die Musikstücke immer wieder zu bearbeiten und sie in anderen Tonarten zu spielen. Auch Bach selbst hat seine Werke bearbeitet. Flöte und Cembalo legten ein atemberaubendes Tempo vor, der langsame Satz, das Adagio, war sehr liedhaft mit zarter, bewegender Begleitung des Cembalos, pointierte Verzierungen dazwischen bereicherten den Schlussteil. Von Carlos Seixas erklang die Toccata g-moll für Cembalo solo. Brigitte Schroth zeigte sich nicht nur als Begleitung der Flöten zuverlässig und überaus versiert, in diesem Solostück erwies sie sich als engagierte, unbeschwerte Solistin, mit viel Gespür für Tempo und Dynamik und herzerfrischender Spielweise. Der portugiesische Komponist, der seine Werke im 18. Jahrhundert verfasste, gehört neben Scarlatti zu den bedeutendsten Komponisten der Übergangszeit vom Barock zur Klassik. Leider sind seine zahlreichen Musikstücke im großen Lissabonner Erdbeben 1755 verschollen. Dieses Solostück erklang in knackigem Tempo, Spielwitz und Heiterkeit sowie ein abruptes Ende waren seine Stärken.

Mit einem sehr aparten Concerto für Sopranblockflöte und Cembalo setzte Bärbel Reich-Staib einen weiteren besonderen Akzent. Ausdrucksstark und doch mühelos, zeigte sie, was man mit diesem kleinen Instrument alles machen und wie man es in Szene setzen kann. Schon im galanten Zeitalter sollte „ein wacher Gentleman nie ohne seine Blockflöte ausgehen“, wie Ulrich Kernen erzählte. Blockflöte als Instrument, mit dem man sich Frauen näherte! So ändern sich die Zeiten, heute wäre es eher das Handy! Klare Töne, einfühlsamer, bewegender langsamer Satz, im raschen Presto gestaltungsfreudig und klangvoll.

Das Trio a-moll für Altflöte, Querflöte und Cembalo von Georg Philipp Telemann wurde wieder vom ganzen Ensemble durchweg einfallsreich, spritzig und in der aparten Zusammenstellung von Altflöte und Querflöte gespielt. Das ergab einen besonders feinen Klang, der durch die reiche Dynamik unterstrichen wurde. Zum Schluss erklangen zwei Zwischenspiele des Franzosen Jacques Ibert. Beide Stücke stammen aus dem Jahre 1949. Ibert war ein hörbarer Spezialist für das Elegante, gepaart mit viel Romantik, ein bisschen spanischer Folklore schimmerte auch durch. Hier konnten sich die Musiker noch einmal sowohl im gekonnten Zusammenspiel als auch solistischen Ausdruck beweisen. „Alles, was Lust macht ...“, so lautete das Motto des Konzertes, und genau das zog sich durch den ganzen Abend zur Freude der Zuhörer, die den sympathischen Akteuren herzlichen, lang anhaltenden und verdienten Beifall spendeten. Lilli Ell