Es wurden Werke von Johann Sebastian Bach und Georg Philipp Telemann sowie zeitgenössische Werke von Hufstein und Rutter unter dem Titel „Genial und unterhaltsam“ zur Aufführung gebracht. Ulrich Kernen führte die Zuhörer in seiner fröhlich charmanten Art kenntnisreich in die einzelnen Werke ein.

Das Konzert war symmetrisch aufgebaut, umrahmt von den beiden großen Komponisten Johann Sebastian Bach und Georg Philipp Telemann, deren außergewöhnliche Werke bis heute die Komponisten und Musiker beeinflussen. Zum Auftakt erklang die „Triosonate Nr. 5 in F-Dur“ des großen barocken Komponisten Bach, eine Bearbeitung dieser Etüde, die Bach für seine begabten Söhne Carl Philipp Emanuel und Johann Christoph Friedrich als Übungsstücke geschrieben hat. Diesen  Übungsstücken spürt man auch den Pädagogen ab, der die Thomanerschule viele Jahre leitete. Weit entfernt von einem stupiden, blutleeren Übungsstück erklang der schnelle Satz mit höchster Präsenz und Konzentration, besonders in den raschen Tempi des ersten Satzes. Kaum blieb dem Zuhörer Zeit zum Aufatmen im langsameren zweiten Satz, nahm der dritte das rasche Vorwärtsschreiten wieder auf und ließ die Zuhörer gleich zu Beginn atemlos zurück. Danach erfolgte der Sprung in die Welt der zeitgenössischen Musik. Von dem 1954 geborenen H. J. Hufeisen hatte das Ensemble zwei Stücke ausgewählt, die in Klangfarbe und Stimmung an irische Musik erinnerte. Bärbel Reich-Staib, Blockflöte, begleitet von Brigitte Schroth führte mit den langsameren Rhythmen und bewegtem Flötenspiel die Zuhörer in eine ganz andere musikalische Welt, die das Cembalo mit entsprechender Registrierung, einmal der Laute, dann der Harfe nachempfunden, unterstrich. Eine bewegende, fast meditative Musik. Mit dem Solo des Cembalos kehrte das Programm wieder in die barocke Welt zurück. Von Domenico Scarlatti, einem überaus produktiven italienischen Komponisten und Cembalospieler, der sich mit Georg Friedrich Händel Wettbewerbe lieferte, wer die Orgel bzw. das Cembalo besser spielen konnte, wobei sich Scarlatti eindeutig am Cembalo qualifizierte, hatte Brigitte Schroth sich die „Toccata d.moll“ ausgesucht. Brigitte Schroth hatte zwar keinen Wettbewerb zu gewinnen, aber ihr Spiel war kraftvoll und bewegt in diesem kurzen Stück, ein richtiger „Hinhörer“, der dem Titel „Genial und unterhaltsam“ überaus gerecht wurde und auch Scarlattis Witz und Heiterkeit durchscheinen ließ. Bei diesem Stück konnten die Zuhörer nicht umhin zu schmunzeln, einerseits der Komposition wegen, aber auch wegen der herzerfrischenden Umsetzung. Brigitte Schroth spielte nicht nur bei ihrem Solostück überzeugend, sie zeigte sich auch als sehr zuverlässige und feinfühlige Begleiterin der Flöten. Mit John Rutter ging es zurück in die zeitgenössische Musik. Der Engländer Rutter wurde besonders für Chöre zu einem überaus beliebten Komponisten. Aber seine „Suite antique“, Ulrich Kernens solistischer Part, zeigte einmal mehr, wie geeignet Rutter auch für Flöte ist. Rasches, präzises und markantes Spiel zeichneten die bewegten Sätze aus, während die langsameren Sätze mit großen Melodiebögen ausgestattet waren. Reizvolle Motive, die in ihrer Ausformung abwechslungsreich und farbig sich zu einem Ganzen schlossen. Der Höhepunkt des Konzerts war Georg Philipp Telemanns „Tafelmusik“, zu der sich alle Ausführenden zusammenfanden. Sie wurden von Anne Braunmüller, Querflöte, verstärkt. Die barocke Gesellschaft war geprägt von Genuss und Lebensfreude nach einer langen Zeit der Entbehrung und der Kriege. Deshalb wurden nicht nur die Künste hoch gehalten, man gab sich im Adel und im gehobenen Bürgertum auch den Sinnesfreuden beim Essen und Trinken hin. Dazu wollte man im Hintergrund mit Musik unterhalten werden. Dem trug Telemann in seinen sehr erfolgreichen und beliebten Tafelmusiken Rechnung. Die Tafelmusik, das „Quartett d-moll aus der Tafelmusik II Nr. 2“ spielte in Roßwälden aber in der ersten Reihe. Da zeigten die Akteure noch einmal ihre ganze Kunst. Das war Musik, die das pralle Leben zeichnete, die nur so strotzte vor Lebenslust und Spielfreude. Die Künstler selber hatten sicht- und hörbar viel Spaß an ihrer Musik. Wen wundert’s, dass das Publikum es fast nicht erwarten konnte, bis der letzte Ton verklang, um viel herzlichen Beifall zu spenden. Ein sehr gelungener Konzertabend, eine Perle im Kulturleben der evangelischen Kirche in Roßwälden mit viel Genialität und Unterhaltung. Die Künstler bedankten sich mit einer kleinen Zugabe von Johannes Brahms.                                                                                                                                                            Lilli Ell