Zwei Dirigenten musizieren ein Joint Venture mit zwei Posaunenchören zum 60jährigen Jubiläum des Posaunenchores Albershausen an zwei Sonntagen, einmal in der Benediktkirche in Roßwälden und dann am vergangenen Sonntag in der Johanneskirche in Albershausen.
Sonst nur in halber Besetzung ertönten klanggewaltig, aber auch bewegend leiser Werke aus sechs Jahrzehnten zusammen, die die Posaunenchöre prägten und begleiteten zur Bereicherung der Musikszene in ihren Gemeinden.
Das Motto über 60 Jahre Posaunenchor spielten die hoch motivierten Musikerinnen und Musiker gleich mit dem ersten Lied ein: „Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren“ nach einem Kirchenlied von Johann Sebastian Bach, barock, mit satter Klangfülle ertönte der Choral und stimmte auf dieses Jubiläumskonzert ein. Der erste Musikblock brachte Musikstücke und Lieder aus der Gründerzeit der Posaunenchöre. Das waren festliche barocke Werke von Händel, Schein und Gruber, aber auch ein sehr bewegtes „Denn er hat seinen Engeln befohlen“ aus dem Elias von Felix Mendelssohn-Bartholdy. Die Bläserinnen und Bläser waren konzentriert und mit sichtbarer Freude bei der Sache und schufen unter der Leitung ihrer umsichtigen Dirigenten Gregor Buß, der den Posaunenchor Albershausen, und Stefan Renfftlen, der die Roßwälder Bläser leitet, stimmige, schöne Klangbilder, die immer wieder mit frischen Akzenten auch durch Tim Faller am Schlagzeug bereichert wurden. Der zweite Block nahm die neuen Lieder aus den 70er Jahren auf, die rhythmisch abwechslungsreich, aber durchaus auch mit anspruchsvollerer Begleitung daherkamen. Das war auch die Zeit, als die ersten Frauen in eine vormals von Männern beherrschte Freizeitbeschäftigung aufgenommen wurden. Heute sind die Frauen aus den Posaunenchören nicht mehr wegzudenken, ja ohne Frauen ginge nichts mehr. Dass die Posaunenchöre noch ganz anders können, das zeigten sie mit den Werken aus den Jahren 1966-1976. Da nahmen sie auch weltliche Musik in ihr Repertoire auf, die einen ganz neuen Rhythmus und neue Verve in ihr Spiel brachte. Da kamen „When I’m sixty four“, der Beatlessong, „Jesus Christ Superstar“ von Andrew Lloyd Webber und der durch Frank Sinatra bekannt gemachte Song „New York, New York“ zur Aufführung. Ja, das konnten die Mannen und die Frauen der Posaunenchöre genau so authentisch darbieten, wie sie vorher noch klassische Werke gespielt hatten. Zwischen den musikalischen Blöcken gab es Wortbeiträge und kurz vor Schluss auch einige beachtliche Ehrungen. Für 40 Jahre Mitgliedschaft im Posaunenchor Roßwälden wurden Michael Reick und Siegfried Scharpf geehrt, für 50 Jahre Karl Unger und für 70 Jahre Walter Zwicker. Es gab Ehrennadeln und Urkunden, überreicht von der Posaunenreferentin im Evangelischen Jugendwerk Brigitte Kurzytza, die allen ins Gedächtnis rief, dass Bläser den Menschen die frohe Botschaft ins Herz blasen. Posaunenarbeit sei gelebter Glaube, führte sie aus. Dass die Bläser auch die Popularmusik gut beherrschen, das zeigten sie im letzten Block. Die neuen geistlichen Lieder nehmen Versatzstücke aus Blues, Swing und Pop sowie auch aus der Klezmer-Musik auf. Da zeigten sie noch einmal gemeinsam mit ihren Dirigenten, die mit der gleichen Freude an dieser Musik am Werk waren, was sie drauf hatten. Musikalische Vielfalt, abwechslungsreiche Gestaltung und Spaß an der Musik – das machte dieses Konzert aus und bot den Zuhörern einen breiten Querschnitt ihres Könnens. Am Schluss erklang noch einmal das Motto „Lob, Anbetung, Ruhm und Ehre“ von Helmut Lammel als würdiger Abschluss eines erfüllten Konzertes, wie es im Grußwort zu Beginn gesagt wurde. Die Zuhörer erklatschten sich noch zwei Zugaben mit ihrem herzlichen Beifall. Lilli Ell