Auf den Spuren Martin Luthers – ein Puzzle setzt sich langsam zusammen

Zu Beginn des Luther-Jubiläumsjahres machten sich aus Roßwälden, Weiler und Umgebung 42 Personen auf, um an 5 Tagen einige der Orte zu besuchen, die Martin Luthers Leben und Wirken beeinflusst haben. Es war beeindruckend! Ich kann unmöglich alles erzählen, sonst müsste ich ein Buch schreiben. So werde ich nur einzelne Puzzleteile beschreiben.

Unser Programm war straff durchgeplant und bestens vorbereitet. Am ersten Reisetag ging´s pünktlich um 7 Uhr los, wir fuhren nach Eisenach, wo wir auch schon um 13 Uhr zu unserer ersten Stadtführung erwartet wurden. Hierzu darf ich gleich sagen, dass alle Stadtführungen in jeweils 2 Gruppen stattfanden und wir nur hochqualifizierte und extra auf das Lutherjubiläum, mit ca. 200 Extrastunden, geschulte Stadtführer/innen hatten. Die Georgenkirche hat uns mehrfach beeindruckt. Luther predigte dort öfters, aber eben auch am Tag vor seiner Entführung auf die Wartburg. Sie ist außerdem die Taufkirche von Johann Sebastian Bach und von 1665 bis 1797 spielten hier fortwährend Mitglieder der Familie Bach die Orgel. Was uns just an diesem Wochenende erstaunte, das ZDF war in und um die Kirche mit viel Technik zugange, denn am nächsten Tag wurde erstmals die Neue Übersetzung der Lutherbibel in einem Gottesdienst mit M. Käßmann und H. Bedford-Strohm an die Gemeinde übergeben und live im ZDF gesendet.

Nach etwas Zeit für eine kleine Stärkung fuhren wir mit großen Erwartungen hoch zur Wartburg. Denn dort übersetzte Luther die Bibel, für uns Christen seine bedeutendste Aufgabe. Die Führung im Palas mit der Sage: Wart Berg, du sollst mir eine Burg werden!“ oder die Lebensgeschichte der Landgräfin Elisabeth von Thüringen im Mosaikzimmer oder das spannend erläuterte Fresko „Der Sängerwettstreit“ oder der beeindruckende Konzertsaal, was wir auch hörten und sahen, unsere Erwartungen wurden übertroffen. Natürlich durfte das Lutherzimmer nicht fehlen und von den Büchern in der Bibliothek waren wir ebenso beeindruckt, wie bereits beim Zugang zur Burg, als wir die kleine Tür im Tor betrachteten, durch die Luther nach der Entführung zur Schutzhaft auf die Burg geschleust wurde.

Anschließend fuhren wir ins Hotel nach Friedrichroda, dort konnten wir uns, wie jeden Abend und auch Morgen, an einem großzügigen Büffet bedienen. Zum Ausklang des ersten Abends setzten wir uns noch zusammen und Pfarrer Kohnke stimmte uns mit launigem und kritischem Wissen über Luther auf unsere gemeinsame Zeit ein.

Nach dem Frühstück waren alle pünktlich um 7.45 Uhr im Bus versammelt um mit dem täglichen Morgenimpuls durch Pfr. Kohnke und einem gemeinsamen Lied in den Tag zu starten. Wir fuhren nach Erfurt und nahmen am Gottesdienst mit Taufe in der Augustinerkirche teil. Die Predigt befasst sich mit der Neuen Übersetzung der Lutherbibel. An diesem Morgen erlebten wir hautnah, wie kalt und zugig es früher in den Kirchen gewesen sein muss. Im angrenzenden Augustinerkloster lebte Luther 6 Jahre als Mönch, davor hatte er in Erfurt sein Jurastudium abgeschlossen. Bei dem beeindruckenden Gebäudeensemble von Dom und Severikirche begann unsere 2-stündige Stadtführung – anno 1500 war Erfurt schon eine bedeutende Stadt mit 18.000 Einwohnern, heute sind es 210.000. Für uns waren auch die Hinweise auf die Erker an vielen Gebäuden interessant, die für Überwachungszwecke von der SED genutzt wurden, vor allem gegenüber von Kirchen oder theologischen Seminaren.

Am dritten Tag in Mansfeld erfuhren wir, dass M. Luther bereits mit viereinhalb Jahren die Schule besuchte. Weil er noch so klein war und die Pflasterwege so uneben, wurde er von einem Nachbar getragen. Luther erinnerte sich zeitlebens an die Strenge und Stockschläge des Lehrers, was später auch dazu führte, dass er sich für eine „Schulreform“ einsetzte. Da haben auch die Ideen von Philipp Melanchthon, mit dem Entwickeln von Lehrplänen und Unterrichtsgestaltung, sicher wesentlich beigetragen. Die Zeit war reif für Veränderungen.

In Mansfelder Ortszentrum werden leider an vielen Gebäuden noch die Auswirkungen vom Ende der DDR sichtbar, ausländische Investoren haben einen Straßenzug gekauft und inzwischen verfallen die Gebäude. Aber das ist auch in vielen anderen Städten ein Problem, oftmals sind ungeklärte Erbsachen oder auch der Wegzug wegen Arbeitsmangel die Ursache. In Bezug auf das Luther-Jubiläumsjahr wurden einige sichtbaren Fassaden von leerstehenden Gebäuden dennoch restauriert oder kreativ gestaltet.

In Eisleben hielt Luther in der Marktkirche St. Andreas seine letzte Predigt. Die evang. Kirche St. Petri-Pauli, Taufkirche Luthers, wurde vor 4 Jahren bei der Renovierung ganzheitlich in ein Konzept „Zentrum Taufe“ umgestaltet. Im Fußboden ist ein Ganzkörpertaufbecken eingelassen, das Wasser ist beheizbar. Der erwachsene Täufling, sowie Pfarrer und Pate, steigen in ihrer Kleidung – mithilfe einer Leiter – ins Becken. Nach Vollzug der Taufe steigen sie heraus und ziehen sich im Nebenraum um. Das Thema Wasser und Wellen wurde im gesamten Fußboden und auch in den Fenstern aufgenommen.

Wittenberg, Schlosskirche, Luther und die Reformation sind untrennbar und sozusagen weltbewegend. Die Stadt mit all ihren Berühmtheiten und den vielen Bezügen zu Luthers Leben und Wirken ist beeindruckend. Mich hat auch das Altargemälde von Cranach in der Stadtkirche überrascht, die Farben sind nach 500 Jahren noch so kraftvoll – 80 % davon sind Original erhalten – und die Klarheit und Aussage der Bilder haben mich von der Genialität der beiden von Cranach überzeugt. Auf dem Vorplatz der Stadtkirche wurde 1988 eine Gedenkplatte für die jüdischen Opfer der Pogromnacht eingelassen. Die Besichtigung des Mahnmals und die Erlebnisse unseres Stadtführers mit anderen Gruppen haben uns sehr gerührt.

Am letzten Tag fuhren wir nach Weimar. Durch eine Panne im Motorraum unseres Busses kam der Zeitplan etwas durcheinander. Nach einigem hin und her konnten wir doch noch unsere Stadtführung in der Stadt der Dichter, Denker und Musiker bekommen. Auch Luther, Cranach, Bach und natürlich Goethe und Schiller waren Persönlichkeiten der Stadt. Anschließend war dann mehr Zeit zur freien Verfügung als geplant, da wir statt um 13 Uhr erst um 18 Uhr die Heimreise antreten konnten.

Durch die täglichen inspirierenden Infos von Frau Egl zu Stadt und Leuten waren wir jeweils bestens vorbereitet uns in den Städten zurecht zu finden. Herr Kohnkes Wissen zum religiösen Leben und die Erläuterungen unseres Mitreisenden Hr. Zollmann zu den geschichtlichen Hintergründen setzten manches Puzzleteil ins rechte Licht. Obwohl unsere Reise mit vielen Höhepunkten geladen war, blieb noch Zeit uns auszutauschen. Spontane Interessensgemeinschaften in den Städten oder die bunt gewürfelte Platzwahl im Speisesaal und Nebenzimmer des Hotels trugen ihres dazu bei. Alle Teilnehmer waren sich einig, dass Fr. Egl und Hr. Kohnke diese Gemeindereise wundervoll vorbereitet und durchgeführt hatten und organisierten spontan als Dankeschön für beide einen Gutschein im Beggahaus. Viele leere Stellen des Puzzles von Martin Luther haben sich gefüllt. Und ich bin dabei gewesen.

Dagmar Mammel