Frauenfrühstück Weiler: Unser täglich Brot

Auf wache und interessierte Zuhörerinnen stieß der Sozialökonom Dr. Clemens Dirscherl mit seinem Vortrag „Unser täglich Brot – Woher, für wen, wie viel und wie? Ernährungsverhalten im gesellschaftlichen Wandel“  beim Frauenfrühstück der Kirchengemeinde Roßwälden/Weiler im Weilermer Bürgerhaus.
Ausgehend vom vertrauten und scheinbar schlichten Wortlaut des „Vaterunser“ stellte er viele interessante Verknüpfungen zu unserem Ernährungsverhalten und zu dessen politischer Komplexität her. Kritisch hinterfragte er, welchen Stellenwert „wir als Christen“  unserem „täglich Brot“ im Geflecht unserer vielseitigen Interessen und Verpflichtungen zu geben bereit sind. Dabei nahm er neben der „Discounterisierung“ der Ernährung in einem kulturgeschichtlichen Exkurs auch alle anderen Ernährungstrends der Nachkriegszeit und der Gegenwart unter Beschuss, ja selbst der Trend zu veganem und vegetarischen Essen konnte dem kritischen Blick des Referenten nicht standhalten. Auch dieses habe letztlich nichts mit einer aufs Elementare gerichteten Ernährungsweise zu tun, bei der  alle Nahrungsmittel rückstandslos und ohne Abfälle ihrer Bestimmung zugeführt werden: „Wer macht heute noch Herzen, Nieren, Leber?“, mit dieser rhetorischen Frage wies Dr. Dirscherl darauf hin, wie gedankenlos und wie wenig ganzheitlich heutzutage viele ihre Ernährung gestalten, und er appellierte dafür, dass der Verbraucher wieder zum „Kunden“ werden solle, der sich über Ernährungszusammenhänge „kundig“ mache und so dem Essen wieder die materielle und ideelle Wertschätzung zukommen lasse, die ihm zustehe.
Der Referent Dr. Clemens Dirscherl , Geschäftsführer des Evangelischen Bauernwerks Württemberg mit Sitz in Waldenburg-Hohebuch und Ratsbeauftragter der Evangelischen Kirche in Deutschland für agrarsoziale Fragen, entfaltete seine Thesen kenntnisreich und oft mit anekdotischem Charakter . In vielen seiner Beispiele konnten seine Zuhörerinnen ihr eigenes Verhalten oder eigene Beobachtungen amüsiert wiedererkennen, ihre Übereinstimmung mit ihm fand oft in befreiendem, manchmal auch in beklemmendem Lachen Ausdruck. Mit einigen seiner oft essayistisch überspitzen Thesen und Beispielen löste Dr. Dirscherl im Anschluss an den Vortrag eine hoch emotionale, breit angelegte Debatte aus.
Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung am Klavier von Simone Mühlbach. JK