10-jähriges Orgeljubiläum in Weiler

Fast auf den Tag genau vor 10 Jahren war die Orgel von den Orgelbauern Scharfe aus Bünzwangen eingebaut worden. Zu diesem Jubiläum war die kleine Kirche fast bis auf den letzten Platz gefüllt. Gratulanten waren neben den beiden Orgelbauern verschiedene Orgelspieler, Pfarrer Kohnke, Mitglieder des Kirchengemeinderates und Gäste aus der kirchlichen wie der weltlichen Gemeinde. Wie vor zehn Jahren bei der Einweihung spielte Kirchenmusikdirektor Klaus Rothaupt die Orgel, er wurde von der Sopranistin Ute Bidlingmaier begleitet.
Die Blasiuskirche ist eine kleine Kirche, die Orgel ist der Kirche angepasst und füllt den Kirchenraum mit sehr schönem Klang. Beide Künstler musizierten in der richtigen Weise, genau passend für den kleinen Kirchenraum, genau spürbar, dass sie durchaus auch einen größeren Raum füllen könnten.
Um es gleich vorwegzunehmen, dieses Konzert war ein Kleinod in dieser Kirche mit anheimelnder Beleuchtung, bewegend stimmig und mit einer reizvollen Programmauswahl von Johann Sebastian Bach bis zu dem zeitgenössischen John Rutter.
Klaus Rothaupt überzeugte mit seinem sensiblen Umgang mit dem Instrument, spielte versiert in den solistischen Partien, zog sozusagen das ganze Register der Orgel, immer eingedenk der Größe von Raum und Instrument. Er erwies sich als verlässlicher Begleiter mit deutlicher Phrasierung und Artikulation. Auch in der leiseren Registrierung veränderte er immer wieder die Klangfarbe und gab der Musik seine eigene Kontur. Wie es sich für ein Fest gehört macht die Orgel mit festlicher Musik von Johann Sebastian Bach den Anfang. Das war Musik mit barocker Pracht, souverän und temporeich gespielt, dynamisch reich und variabel, mit strahlenden Schlusstönen in Dur. Die 224 Pfeifen, ein Hinweis darauf, dass es sich bei dieser Orgel um die kleinste handelt, die die Brüder Scharfe je gebaut haben, aber eben genau richtig für die kleine Kirche mitten in der 1000 Seelen Gemeinde und wie Pfarrer Kohnke in seiner Begrüßung ausführte, liebevoll gestaltet mit einheimischen Hölzern. Mit dieser Orgel kann das Lob, aber auch die Klage angestimmt oder auch zu einer Abendmusik eingeladen werden. Kohnke bedankte sich bei allen, die die Finanzierung unterstützt haben.
Ute Bidlingmaier, Sopran, empfahl sich genau so festlich wie die Orgel zuvor. Johann Sebastian Bachs „Auf, auf, die rechte Zeit ist hier“ aus dem Schemellischen Gesangbuch war ihr erstes Musikstück, gefolgt von der Arie „Öffne dich“ aus der Kantate BWV 61 und dem langsamen, besinnlichen „Er weidet seine Schafe“ aus dem Messias. Klangschön, mit zarter, filigraner Gestaltung, weichen Bögen, in der Gestaltung durch Orgel und Gesang sehr aufeinander bezogen erklangen diese Weisen, innig und mit bewegendem Duktus, wenn auch die hohen Töne der Sopranistin das eine oder andere Mal die Transparenz vermissen ließen, in der Mittellage aber sang sie sehr klar und mit warmen Glanz. Die Orgel verlieh diesen Arien die Ausstrahlung und einen stimmigen Ausklang. Klare Kontraste arbeitete der Organist in der „Pastorale“ von Bach heraus, helle Flötentöne lieferten die Hirtenstimmung, die dunklen Orgeltöne erinnerten an das Staunen der Hirten auf dem Felde. Rasante Passagen wechselten schnell mit langsameren und zeigten Kontur und Farbigkeit.
Pfarrer Kohnke führte in einem kurzen Textabschnitt aus, dass der Advent von der Freude über den kommenden Jesus Christus trotz Terror, Elend und Not der Menschen geprägt sei. Im zweiten musikalischen Block folgten nach den fast heiteren „3 Stücke für eine Flötenuhr“ für Orgel von Josef Haydn das bekannte „Panis angelicus“ von César Franck und nach dem Segen verabschiedeten sich die Musiker mit drei Weihnachtswiegenliedern, die noch einmal innige, bewegende Akzente am Schluss des Konzertes setzten. Das war Musik zum Innehalten, fast meditativ an einigen Stellen, auf jeden Fall aber eine gelungene Geburtstagsfeier für das kleine, aber feine Instrument, das von den Gästen überaus positiv aufgenommen wurde und hoffentlich den Menschen noch lange Freude bereiten wird. Lang anhaltender, herzlicher Beifall belohnte die Künstler.

Lilli Ell